Der Film war echt gut. So gut, dass Linda die Zeit vergessen hatte, bis sie ein lauter Summton aus ihrem Zimmer an die Schule erinnerte. „Oh nein… Hoffentlich habe ich noch keine Verwarnung!!!“ Linda stürzte zurück in ihr Zimmer und setzte den Kopfhörer wieder auf. „Hallo“ presste sie ausser Atem hervor. „Das war aber knapp“ Frau Elfes Gesicht erschien auf dem Bildschirm, „Was hast du denn gemacht?“ – „In der Geschichtsstunde meines Bruders kam gerade ein spannender Film über die Wikinger. Sie wissen ja, dass mich soetwas interessiert.“ – „Wie heißt denn der Film? Vielleicht kann ich ihn dir im Archiv besorgen. Dann kannst du dich auch besser auf den Unterricht konzentrieren.“-“Keine Ahnung, ich frage ihn in der nächsten Pause mal. Welches Fach ist den ‘dran?“-“Erdkunde. Die Entstehung der Vulkane. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Aber das wirst du ja hoffentlich herausfinden. Denn ich halte dich besser nicht mehr vom Arbeiten ab.“-“Wenn es denn sein muss…“ seufzend öffnete Linda die Menüleiste. Tatsächlich fanden sich mehrere Ordner mit den Aufschriften Schicht-Vulkane, Schild-Vulkane, und Schlacken- und Aschenkegel. In den Ordnern waren wiederum verschiedene Dateien und Links zu finden. Neben einen Video gab es auch Links zu Lexikonartikeln, Internetseiten und Java-Applets zu den einzelnen Typen. „Ups, ich habe dir ganz vergessen, was du mit dem Material tun sollst“ ertönte plötzlich Frau Elfes Stimme aus dem Kopfhörer. „Und ich habe schon nach der Text-Datei mit der Aufgabe gesucht.“ entgegnete Linda erleichtert. „Also, die Aufgabe ist eigentlich einfach und wir haben soetwas schon mehrmals gemacht. Ich habe einen neuen Zweig unseres Wikis aufgemacht. Such’ dir also einen der Typen aus und beschreibe ihn dort“ – „Welcher Vulkantyp war der, der zum Untergang von Pompeji geführt hat?“-“Das weiß auch nicht so genau. Ich glaube der erste. Besser du schlägst nochmal nach.“ Linda öffnete also erneut ein Suchfenster. Über Pompeji gelangte sie zum dem Namen des Vulkans Vesuv. Dort war bereits in der ersten Zeile der Typ zu lesen. „Ich würde mich gerne mit dem Typ Schichtvulkan beschäftigen.“-“Gut, das machen zwar schon zwei andere, mit dir ist also die Gruppe voll. Ich denke, ihr drei könnt euch gut ergänzen.“-“Wer ist es denn?“-“Nicht so neugierig. Und denk’ dran: Kein Copy&Paste.“ Frau Elfe hatte Linda schon mehrmals dabei erwischt, wie sie sich die Arbeit erleichtert hatte. Zu dumm, dass die Filter so gut waren. Wenn sie daran dachte, was ihr Vater ihr erzählt hatte… Scheinbar waren die meisten Referate damals nur aus dem Internet entstanden. Auf der anderen Seite war das Thema echt spannend. Linda öffnete den Wiki, um die bereits vorhandenen Informationen zu lesen. Doch das war noch relativ wenig. Also begann sie die Dateien, die in dem Ordner vorhanden waren zu öffnen und sich anzuschauen. Um nicht in der Informationsflut zu ersticken begann sie sich in einem Textdokument Notizen zu machen. Gerade in dem Film waren so viele Detailinformationen zu sehen… immer wieder musste sie ihn stoppen um die wichtigen Dinge aufzuschreiben. Zum Glück war der Filmausschnitt nicht zu lang, sonst wäre sie nie fertig geworden. Als sie anschließend das Wiki öffnen wollte, da stand dort auch schon eine Menge – aber halt, das war doch total falsch! Sie änderte den Satz um und schuf einen Link zu einer weiteren Seite. Dort fasste sie die Informationen aus dem Film zusammen. „Das Magma eines Schichtvulkans ist schwerflüssig“. Hatte schon jemand den Begriff „Magma“ erklärt? Nein, da war noch kein Link. Nur zu Lava fand sie eine Erklärung. Also musste sie diese auch noch schreiben… Mit Hilfe der Lexikaartikel ging das eigentlich ganz gut. So machte das Thema richtig Spass. In einem Artikel im Internet war auch ein Experiment beschrieben. „Frau Elfe?“ – „Ja, Linda, was ist?“ – „Können wir morgen in der Schule ein Modell eines Vulkans bauen? Ich habe eine ziemlich interessante Beschreibung gefunden.“ – „Klingt ja interessant. Schick sie mir doch bitte zu, dann kann ich schauen, ob es möglich ist.“ – „Na klar.“ Damit klickte Linda das Mail-Symbol auf dem Bildschirm an. Adresse, Betreff und kurze Beschreibung, dann noch die Datei als Anhang ‘dranhängen und weg damit. Die Doppelstunde war wie im Flug vergangen. Ihr Bruder schaute zur Tür herein: „Na, so fleissig warst du schon lange nicht mehr. Kommst du mit in die Küche?“ Ein Blick auf die Uhr konnte Linda überzeugen. Sie klickte das Pausensymbol an und der Bildschirm wurde schwarz.
Archiv für Zukunft...
Die Zukunft kommt bald… (Teil 1)
„Guten Morgen“. Die sanfte Computerstimme reißt Linda aus ihren Träumen. Schon wieder aufstehen. Verschlafen schlurft sie ins Badezimmer. Dort beschäftigt sich ihr Bruder damit aus dem Wäscheberg Klamotten herauszusuchen, die noch nicht so dreckig sind, dass sie nicht mehr angezogen werden können. Während Linda die Zähne putzt ruft ihre Mutter aus der Küche: „Beeilt euch, wir fahren heute nachmittag zur Tante Marlis. Also müsst ihr die Schule heute morgen erledigen.“ Also schaltet Linda nach dem Frühstück den Bildschirm in ihrem Zimmer wieder an und setzt das Mikrofon auf: „Linda Müller, Klasse 7alpha, Bezirk 790761 meldet sich zum Unterricht“. Auf dem großen Display erscheint eine modisch gekleidete Person: „Guten Morgen Linda. Schön das du da bist. Ich habe dir die Aufgaben für den heutigen Tag schon in die Menüleiste deines Unterrichtsaccounts gestellt. Wenn du Fragen hast, dann kannst du dich wieder melden. Viel Erfolg“. Linda atmet auf. Heute Morgen ist nicht die Schreckschraube, sondern die sympathische Frau Elfe als Lehrerin im Netz. Beruhigt beginnt sie sich die Aufgaben anzuschauen. Neben einem Diktat (oh Schreck) soll sie eine Charakterisierung einer Figur aus dem Theaterstück „Kabale und Liebe“ von Schiller schreiben. Obwohl viele Informationen über Videos und Podcasts bekommen hatten, viel es immer noch schwer sich in die Zeit hineinzudenken. Also doch lieber das Diktat. Wiederwillig öffnete sie die Datei und zog die Tastatur zu sich heran. Eine Computerstimme begann den Text langsam mit mehreren Wiederholungen vorzulesen. Lindas Finger eilten über die Tastatur. Besonders bei den Diktaten merkte sie, wie hilfreich die automatische Rechtschreibprüfung sonst ist. Diesmal war sie gar nicht so schlecht gewesen. Nur 4 Fehler hatte die Prüfung ergeben. Doch jetzt kam sie um die Charakterisierung nicht mehr herum. Wiederwillig öffnete sie ein leeres Textdokument und kramte den Ausdruck des Theaterstücks hervor. Ob da nicht ein wenig tricksen half??? Sie öffnete die Suchmaske und gab den Begriff „Charakterisierung“ ein. Tatsächlich erschienen in der Auswahl eine Reihe von Internetseiten, in denen der Begriff erklärt wurde. Doch viele der Dateien – gerade die, die am vielversprechendsten aussahen – waren gesperrt. Sie versuchte es indem sie in der Auswahl bei den später gefundenen Seiten schaute. Doch der Filter der Schule war zu effektiv. Ehe sie nun wieder Stunden damit zubrachte, diesen zu umgehen (manchmal funktionierte es ganz gut), war es schneller, doch selber zu arbeiten. Schließlich hatte sie nicht den ganzen Tag Zeit. Als sie die Lösung abgeschickt hatte, war sie wirklich erleichtert. Sie hatte es ganz alleine geschafft. Der Bildschirm wurde schwarz. Endlich ein wenig Pause. Im Nachbarzimmer hörte sie wie ihr Bruder ein Video anschaute, in dem die Geschichte der Wikinger gezeigt wurde. Es hörte sich eigentlich sehr interessant an, und sie schlich sich in sein Zimmer, um in der Pause mitzuschauen. Eigentlich sollten sie ja in der Zeit etwas essen und sich bewegen, eigentlich…